Erlebnis Vodafone Vertrieb

Diese Seite soll jenen Menschen dienen, die mit dem Gedanken schwanger sind als Medienberater bei Vodafone Kabel Deutschland eine Karriere zu beginnen. Meine hier geschilderten Eindrücke und Erfahrungen sind subjektiv. Die Entscheidung als selbständiger Vertriebsaußendienstler dort das Glück zu versuchen obliegt jedem selbst.


Ein bisschen Recherche hat ergeben, dass dieser SMO-Vertriebskanal, der sich um Abschlüsse von MNV (Mehrnutzervertäge) bemüht, seit mindestens fünf Jahren in dieser Form besteht. Seit der Installation dieses Kanals werden immer wieder Medienberater als selbständige Handelsvertreter gesucht. Über Anzeigen, eigene Internetseiten und vorallem in Jobbörsen. Zudem betreibt Vodafone ein massives Rekrutierungsprogramm über bereits tätige „Medienberater“, den sogenannten Scout-Club. Innerhalb dieses Scoutclubs werden horrende Provisionen und Prämien für den Anwerber in Aussicht gestellt, sofern der oder die Angeworbene im Vertriebskanal tätig wird und auch dort verbleibt.

Der gesunde Menschenverstand sollte sich jetzt schon mal zu Wort melden. Ohne mit detaillierten Zahlen zu jonglieren, müsste das Land nach fünf Jahren doch eigentlich prallevoll mit erfolgreichen Medienberatern sein. Der Markt sozusagen sollte – bei so einem tollen Job – gedeckt sein. Zumindest sollte die Zahl der Bewerber exorbitant sein. Warum dann eine solch massive Suche nach Freiberuflern und wozu knappe 500 Euro Scout-Provision? Plus Prämie! Sowas kennen wir doch eigentlich nur aus dem Strukturvertrieb.

Frei nach dem Motto „wer nicht wagt, der nicht gewinnt habe ich mich in das Abenteuer gestürzt und mir „den Job“ angesehen.


Wie kam es dazu

Mein beruflicher Werdegang hatte ewig etwas mit EDV und Telekommunikation zu tun. Früher getrennte Berufe. Es gab den Datenverarbeitungskaufmann (DV-Kfm.) und den Telekommunikationskaufmann (TelKo-Kfm.). Heute gehört das zusammen und die Berufe teilen sich dann detailierter wieder auf. Beginnen immer mit IT. Also IT-System-Kaufmann, IT-Sytemtechniker, usw.

Allenfalls war ich seit Anfang der ’80er immer mit dem Kram beschäftigt. Dabei hat mich die Telekommunikation immer etwas mehr begeistert als die EDV. Einfach, weil ich Programmierung hasse. Ist mir zu langweilig. Und wirklich gut bin ich darin auch nicht. Außer es ist VoiP (Voice over IP). Klar.., Sinn ist ja auch die Telekommunikation. Wie dem auch sei.., nach all den Jahren mit dem Technikkram hatte ich 2014 keine Lust mehr. Ich wollte etwas Anderes machen. Als ich mal wieder sinnierte, was ich machen könnte, lief im TV irgend eine Doku über Busreisen. Herrlich.., Reisen in den Süden.. am Lenkrad eines fünhunderttausend Euro Luxus-Reisebus dem Sonnenuntergang entgegen. Im Heck 600 PS aus acht Zylindern und ein haufen gutgelaunte Reisegäste, die sich auf einen Strand in Südfrankreich oder Süditalien freuen. Ja.., der Job muss cool sein. Wollte ich machen. Alternativ hatte ich noch Bestatter auf der Wunschberufeliste. Da gibt es nicht so viele Beschwerden und die Stornoquote ist verschwindend gering. Aber mit dem Reisebus quasi in den Urlaub fahren ist einfach sehr attraktiv. Also wollte ich nun Busfahren.

Der Zugang in den Job ist aber nicht mehr so easy wie früher (LKW-Lappen plus P-Schein = fertig). Nee.., heute gibt es neben einem extra dafür ausgelgten Führerschein (Klasse D) sogar eine Prüfung bei der IHK als Qualifikationshürde. Beides zusammen hatte mich knappe 17.000 Euro gekostet. Kein Scherz.., alles zusammen 16tausendsechshunderundirgendwas!! So.. und erst jetzt durfte ich einen Bus inkl. Fahrgäste bewegen. Kein Wunder, dass es so wenig Busfahrer gibt. Ohne Sponsor oder Stipendium kann sich das doch keine Sau leisten. Und weil man in dem Job immernoch kein Pilotengehalt bekommt, sollte man sich für die Ausbildung besser keinen Kredit aufnehmen. Entweder man hat die Knete grade über, die Omma gibt dir ihren Sparstrumpf oder irgendein Amt löhnt den Käse. Anders kommst du nicht mehr in den Job. Naja.. allenfalls hatte ich jetzt alle Scheine und Zertifizierungen und wollte loslegen. Der Süden ruft. Hallo Sonne, Sandstrände, Sehenswürdigkeiten.. ich komme.

Nein, so geht das mal gar nicht. Die Jobs, die dieses Ziel ansteuern

sind rar. Und wer einmal das Cockpit eines Setras S 519 HD als Arbeitsplatz hat, der verteidigt es bis zum gewaltsamen Tod. Freiwillig räumt da niemand seinen Platz. Da muss schon der Amtsarzt vollständige Blind- und Taubheit diagnostizieren bis ein Fahrer aufgibt. Alle, die sich jetzt hinten anstellen müssen, können solange Linien- oder Schulbusse pilotieren. Oder – was mir widerfuhr – frisch angekommene Flüchtlinge vom BAMF durch das Land verteilen. Das ist vom Traumjob Lichtjahre entfernt. Und zudem noch arschgefährlich. Nach neun Monaten des Rumkutschierens sämtlicher orientalischer Kulturen und zahllosen Schlägen, Tritten, Bissen und Pöbeleien war meine Stimmung so unterirdisch, dass ich den Job wechselte und fortan für die Lebenshilfe „Menschen mit Unterstützungsbedarf“ beförderte. Im Grunde ganz liebe und nette Menschen, die ihren Fahrer sehr ins Herz schlossen. Für jemanden ohne heilpädagogische Ausbildung und Eignung für sowas ist die Überforderung in kritischen Situationen allerdings vorprogammiert. Das musste ich nach eineinhalb Jahren in dem Job endgültig erkennen und quittieren.

Der erste Kontakt

Also musste eine erneute Veränderung her. Just im Moment dieser Erkenntnis poppte ein Ad in meinem Browser auf, das mir eine goldene Zukunft als quereinsteigender Medienberater in der Vodafone Immobilienwirtschaft suggerierte. Ein Kontakt- und Bewerberformular lockte mich, meine Daten und einen Lebenslauf ins Rennen zu schicken. Alsbald klingelte das Telefon und ein „Gebietsmanager“ von Vodafone Kabel Deutschland verabredete ein Treffen in Bispingen. Cafe Dingsbums um 14h00. Ich war total naiv aber echt gespannt..

Bis dahin hatte ich natürlich noch kaum Ahnung von „Pencil Selling“ und war ein bischen beeindruckt von den aufgemalten Häuschen und Wohneinheiten in Verbindung mit den möglichen Provisionssummen und monetären Starthilfen, die zwischen Kaffee und einer leckeren Waffel mit Schlagsahne (getrennte Bewirtungsnachweise für Waffel und Kaffee) um das Stelldichein herumwaberten. Selbstverständlich hatte ich das alles im Anschluss überhaupt nicht kapiert. Das war aber auch nicht tragisch, denn es werde von einem Mentor und Teamleiter innerhalb eines „Mitgehtages“ noch ganz plastisch erläutert, hies es.

Oha.., ich bekomme also einen Mentor. Sollte ich mich jetzt etwas wie Telemachos – Sohn von Odysseus – fühlen, der vom väterlichen Freund Mentor in die Geheimnisse der allumfassenden Lehre eingeweiht wurde? Da blitzte ganz kurz, nur eine Nanosekunde, das Scientology-Logo vor meinem inneren Auge auf. Den Begriff „Mentor“ hatte ich vor vielen Jahren – noch zu meiner EDV-Zeit – bei einem Kunden in Berlin, für den ich als freier Dozent ein Seminar über Linux halten sollte, auf dem Gebäudezutrittsausweis gelesen. Der Kunde war die Firma „New Horizons CLC“. Erst eine geraume Zeit später erfuhr ich, das „New Horizons CLC“ eine Tochter (oder ein Zweckbetrieb) von Scientology ist. Damals war ich natürlich mit noch weniger Lebenserfahrung ausgestattet als heute und wunderte mich nicht so sehr über die seltsamen Fragen des Berliner Schulungsunternehmens, dessen Beantwortung eine Voraussetzung für den Consultingvertrag war.

Schnuppertag

Am 27. Oktober war es dann soweit und der „Mitgehtag“ begann beim Bäcker in einer Niedersächsischen Kleinstadt mit einem Milchkaffee und einem Croissant vom Vortag. Bezahlt aus der eigenen Tasche. Im Anschluss durfte ich auf dem bequemen Ledergestühl eines etwas betagten Mercedes C 320 des Mentors und Teamleiters die ersten Grundlagen des Business kennenlernen. Hierbei wurde hastig ein Hinweis an den Mann gebracht, dass für den Anfang ein ausreichender Betrag auf der Habenseite des eigenen Girokontos vorhanden sein sollte, da mit der ersten Zahlung von VFKD nicht vor Ende Januar zu rechnen sei. Bis dahin muss „vom eigenen Fett“ gelebt werden. Zur besseren Stimmung und zur Entspannung konnte diese Info nun nicht unbedingt beitragen. Mit dem Gedanken an eine mahnende Krankenkasse, die ihren Mindestbeitragssatz sicher schon im Dezember einfordern wird, ging es dann zum ersten „Angang“ einer „Objektklärung“.

Der „Angang“ meint die erste Inaugenscheinnahme eines Objekts (Haus), welches auf einer Straßenliste aufgeführt ist. Die Straßenlisten stammen aus dem Datenbestand von VFKD und werden dem Medienberater zur Verfügung gestellt. Hier können Infos zu dem Objekt wie z.B. Anzahl der gesamten Wohneinheiten, Anzahl der aktiven Wohneinheiten, der Status des Übergabepunktes, bestehende Vertragsverhältnisse usw. entnommen werden. Der Medienberater verschafft sich nun einen Überblick der „Ist-Situation“. Wo ist der ÜP, in welchem Zustand ist der ÜP (verplombt oder nicht), stimmt die Anzahl der Wohneinheiten, ist eine SAT-Antenne zu sehen, ect. Dazu ist es grundsätzlich erforderlich ins Haus zu gelangen. Also wird nach der äußerlichen Sichtung an der Haustür geklingelt. Im besten Fall wird dem Medienberater die Tür geöffnet so das ein Gespräch begonnen werden kann. Wie das verläuft wird im ersten Teil des Artikels „Was ist ein Medienberater“ beschrieben.

Das erste Objekt war ein schmuckes Mehrfamilienhaus. Oder hätte es laut Liste sein sollen. Nach dem Klingeln wurde uns tatsächlich die Tür geöffnet und ein sehr gespächsunwilliger Bewohner beantwortete alle Fragen nach dem Standort des ÜPs mit einem „weiß ich nicht“ und einem unmissverständlichem Minenspiel. Ein vorgezeigter „Mitarbeiterausweis“ des Mentors machte auch keinen Eindruck. Aus dem „Angang“ wurde so rasch ein „Abgang“. Aus Zufall entdeckten wir beim Abrücken noch eine Bewohnerin im Garten des Hauses. Diese klärte insoweit die Situation auf, dass aus dem ehemaligen Mietshaus mittlerweile drei Eigentumswohnungen wurden. Zwei der Eigentümer teilten sich eine SAT-Anlage. Der Dritte – also der eben so Unwillige – schaut „irgendwie anders“ Fernsehn. Damit war die Sache eigentlich klar. Allerdings war der Unwillige jetzt „irgendwie“ nicht mehr im Haus und konnte so auch nicht zur Klärung beitragen. „Scheißegal“ meinte der Mentor. Da nur noch der Eine als möglicher Schwarzseher in Betracht käme, ist das nicht mehr unser Geschäft. Wir sind nur für 2 bis 20 Wohneinheiten zuständig. Im diesem Falle also ist zu rechnen:
3 Wohneinheiten minus 2 SAT-Glotzern = 1 möglicher Endkunde. Ergo nicht unser Vertriebskanal. Also weitergehen zum nächsten Objekt.

Das nächste Objekt wurde in der Liste mit zwei Wohneinheiten geführt wovon nur eine als aktiv galt. Also klingeln und höflich die Vorstellung inkl. Ausweis zeigen abgespult. Eine verschlafene und leicht müffelnde Endsechzigerin erklärte uns, dass die zweite Wohneinheit nur eine gelegentlich genutzte Ferienwohnung sei. Natürlich war sie gerade auf dem Sprung und konnte uns just keine Audienz gewähren. Herr Mentor überreichte höflich seine Visitenkarte und bat um Anruf, sobald der enge Terminplan es zuließe. Ergo.., Abgang und nie wieder was von gehört.

Im knautschlederen Mercedessessel erfuhr ich dann in der nächsten Stunde den berufliche Lebensweg des Mentors und durfte erfahren, dass er mich nun so einschätzen würde, den Job voll gut beherrschen zu können. Ich mache einen sehr aufgewekten Eindruck auf ihn und verfüge über eine sehr schnelle Auffassungsgabe. Der Mercedessessel war dermaßen bequem, dass ich es nicht wagte zu widersprechen oder ein Gesicht zu machen, das mein Entsetzen über die momentane Situation ahnen ließ. Seinen Vorschlag, den Tag nun einmal für mich revuepassieren zu lassen und mir zu Hause eventuelle Fragen zu notieren, wollte ich um alles in der Welt gutheißen. Selbstredend werde ich mich sofort melden, falls etwas unklar sein sollte. So.. „Mitgehtag“ erledigt. Und was hatte ich erfahren? Ja klar, Teamleiter müsste ein guter Job sein. Das Andere ist Klingelknöpfe drücken.

Die Entscheidung

Trotz diesem „Mitgehtag“ entschloss ich mich die Sache in Angriff zu nehmen und vereinbarte ein weiteres Gespräch für den 30. Oktober mit dem Gebietsmanager. Diesmal in seinem Büro in Hannover. Hannover mag ich noch weniger als Hamburg. Zumindest als ortsunkundiger Autofahrer, der seine Karre irgendwo parken muss. Ich hatte aber Glück. Dieser 30. war dieses Jahr dieser besondere Jahrestag Deutschlands. Also quasi Feiertag. Somit gab es schon mal einen Parkplatz. Das Gespräch war allerdings recht überflüssig. Es wurde eigentlich nur dieser „Mitgehtag“ reflektiert und die Frage geklärt, ob wir jetzt zusammenarbeiten wollen. Wollten wir. Fertig. Hätte auch am Telefon erledigt werden können, aber egal. Noch einen neuen Termin ausmachen für die Vertragsunterzeichnung. Das fand dann am 06. November statt.

Der unsichtbare Vertrag

Bei der Vertragsunterzeichnung musste ich mich wundern. Das verlief nicht so, wie man das kennt. Üblicherweise gibt es zwei Ausfertigungen. Diese liest man sich durch und unterscheibt sie. Im Anschluss nimmt man ein Exemplar an sich, das Gegenüber das andere Exemplar. Hier lagen jedoch zwei Pamphlete auf dem Tisch die dicker als das Telefonbuch einer mittelgroßen Gemeinde waren. Es gab auch keine Zeit den Vertrag auch nur halbwegs zu lesen. Husch husch musste es gehen, man habe Zeitdruck. Zwei drittel der Seiten wurden einfach überblättert „Ist nur Datenschutzzeug“ hieß es. Nach den Unterschriften sammelte der Gebietsmanager beide Exemplare ein. „Die müssen jetzt erst noch durch die Rechtsabteilung und vom Vertriebsmanager gegengezeichnet werden“ ließ der Herr Gebietsmanager verlauten. Es gab also keine Ausfertigung für mich zum mitnehmen. Dabei hatte ich extra eine hübsche große Ledertasche mitgebracht. Das scheint allerdings eine übliche Praxis bei VFKD zu sein. Alle neuen Kollegen, die ich darauf ansprach, erging es genau so. Kein Vertrag zum Mitnehmen. Im Übrigen habe ich den bis heute nicht. Das Pamphlet habe ich nie wiedergesehen. Mir kann es jetzt egal sein, die noch aktiven EX-Kollegen warten aber immer noch auf die Aushändigung ihres Exemplares.

Willkommen in der Anstalt

Am 30. November ging es dann los. Es gab einen „Welcome Day“ mit Veranstaltungsort in den Büros der VFKD (oder nur Vodafone.., ich weiß es nicht) Niederlassung Hamburg. Beginnend mit einem „Come together“, was eine halbe Stunde Smaltalk bei halben Brötchen, Kaffe oder Tee bedeutete. Eigentlich hatte ich nun eine üppige Veranstaltung mit massenhaft Menschen erwartet. Moment.. ich muss mal schnell gedanklich durchzählen.. A(1), T(2), M(3), K(4), O(5) und ich(6).. fertig. Es waren sechs Leute. Also Frischlinge. Plus zwei Gebietsmanager. Summe 8. Das erzeugte bei mir etwas Kopfkratzen. Bischen wenig bei einem solch hochwertigem Job und dem ganzen Rekrutierungsaufwand, oder?

Der „Willkommenstag“ entpuppte sich sehr schnell als Produkt- und Verkaufstraining. Zunächst wurde sehr oberflächlich über ein paar technische Gegebenheiten der Signalübertragung über Kabel von den beiden Gebietsmanagern referiert. Wobei oberflächlich wirklich sehr geschmeichelt wäre. Ich bin mir sicher, technische Totallaien kennen nicht mal den Unterschied zwischen KOAX und Twisted Pair. Und ganz ehrlich.., ich bin mir nicht sicher, ob die Gebietsmanager da sattelfest wären. Das ganze Technische schien auch mehr unerwünschtes Wissen zu sein. Einzig der Unterschied zwischen Baum- und Sternnetz wurde ein ganz kleines bisschen ausfühlicher behandelt. Womöglich auch nur, weil es im Verkaufsprozess eine Rolle spielt. Hier kristallisierte sich schon langsam heraus, wie es mit dem Wissen der künftigen „Medienberater“ bestellt sein würde. Das Thema des Tages schaltete auch ganz schnell auf das Verkaufen um. Oder vielmehr auf den „genialen dreistufigen Vertriebsprozess„, den ich bereits im Blog beschrieb. Die einzige Rafiness, die vermittelt werden sollte, war einen möglichst zuverlässigen Zutritt ins Haus zu erhalten und Bewohner über augenscheinlichen Smalltalk zu den medialen Gewohnheiten im Haus zu interviewen. Für den Zugang wurden Tricks aus der Staubsaugerverkäuferwelt herangezogen. Es viel sogar der Begriff „Vorwerk Treppenhaus Terrier“. Mir wurde übel. Zum Mittagstisch hatte das Catering Scholle mit Senfsauce aufgefahren. Das hat die Übelkeit auch nicht unbedingt bekämpft. Nach der Mittagspause ging das Verkaufstheater weiter. Diesmal mit Rollenspielen. Mir ging nur noch ein Gedanke durch den Kopf: „Das kann man so machen, man muss es aber nicht“. Als freier Handelsvertreter obliegt es ja noch mir, wie ich meinen Job mache. So, wie es dort vorgeführt wurde, wird es bei mir niemals stattfinden. Soviel war mir klar.

Dat Köfferschen

Ich war nun sehr müde. Daher konnte ich mir eine Frage an die Gebietsmanager auch verkneifen. Zuvor muss man wissen, die Gebietsmanager gehören eigentlich nicht zum Vertrieb. Vielmehr zum mittleren Management und sie werden mit einem festen Gehalt entgeltet. Meine verkniffende Frage hätte lauten müssen: Wenn ihre „Verkaufstricks“ dermaßen erfolgreich sind und ein fünfstelliges monatliches Einkommen über Provisionen ermöglichen, warum sind sie ins Management gewechselt? Beide machten einen fitten und körperlich belastbaren Eindruck. Gebrechlichkeit dürfte zur Begründung nicht ausreichen. Da machten einige „Medienberater“ eher einen besorgniserregenden Eindruck. Einer sogar psychisch.

Zum Abschluss dieses „Welcome Days“ gab es ein Kästchen mit Plastikplomben, Plombenschnur und Zange (Ein Set, welches in jedem einschlägigen Internetshop erhältlich ist und so gar nichts offizielles hat). Und noch eine schicke Kunstleder-Ringbuchmappe mit Vertriebshilfen und Richtlinien. Richtlinien? Moment.., wieso Richtlinien? Egal.., ich war zu müde und wollte nach Hause. Noch schnell den Erhalt der dollen Mappe quittieren und raus aus dem Bau. Morgen war der 1. Dezember. Da fing die Arbeit an. Theoretisch zumindest.

Der erste Tag

Freitag. – An dieser Stelle muss ich sehr vorsichtig sein. Es gibt nun keine Zeugen für meine Angaben. Und natürlich rechne ich mit massiver Gegenwehr seitens VFKD. Ich werde also keine Namen und genaue Orte nennen. Ist auch nicht wichtig – Der erste offizielle Arbeitstag war Freitag der 1. Dezember. Bei VFKD ist es üblich, dass der Mentor oder Teamleiter (in meinem Fall in Personalunioin) den Frischling solange begleitet, bis er alleine die Angänge und Objektklärungen (OBBK genannt) erledigen kann. Also traf ich mich mit meinem Teamleiter. Wo? In einer Bäckerei mit Cafe natürlich. Diesmal in einer anderen Kleinstadt Niedersachsens. Mit Plombenkoffer, Ringbuchmappe und Neugier ausgestattet traf ich um 09h00 in besagtem Cafe ein. Wärend Herr Teamleiter/Mentor noch in seinem Benz mit einem Telefonat beschäftigt war, ließ ich mir einen Milchkaffee zubereiten und nahm Platz. Kurze Zeit später stieß mein TL (kürzen wir den Teamleiter ab hier ab) mit einem üppig belegtem Körnerbrötchen und Kaffee hinzu. Nach dem Verspeisen erwartete ich eigentlich den Aufbruch ins Abenteuer. Irgendwie fehlte meinem TL jedoch der Antrieb. Der Vormittag vergang mit durchgehender Theorieschulung über Straßenlisten, Objektklärungsbögen, Chancen, Verkaufprojekte, Quoten für Neulinge, Kollegen mit exorbitanten monatlichen Einkünften, Tips für die Steuerberatung und (neben Weiterem) dem Thema Backoffice.

Backoffice? Wat dat denn? Backoffice bedeutet; da hat sich ein anderer TL eine nette Idee verwirklicht, von seinen „Kollegen“ monatlich 300 Ocken einzuverleiben. Er hat eine Firma eröffnet, die als Backoffice zwischen den Medienberatern und VFKD hängt. Die Medienberater sollen sich vertraglich verpflichten, die Dienste dieses Backoffice zu nutzen. Dies kostet den Medienberater eben pauschal 300 Euro jeden Monat. Alle OBBKs, die zu Chancen werden, werden von diesem Backoffice als Verkaufsprojekte (diese „Kunden“ werden angerufen) in dem VFKD-Server angelegt. Kommen daraus Verträge zustande, werden diese Verträge ebenfalls vom Backoffice dort eingepflegt. Zudem veranstaltet dieses Backoffice einmal wöchentlich die Terminierungsmeetings (im Blog beschrieben). Der ganze Prozess von einem ausgefüllten OBBK-Formular bis zum unterschrieben Vertrag sei so kompliziert, dass nur das Backoffice zu einer fehlerfreien Eingabe befähigt sei. Außerdem sei das zu zeitaufwendig für die Medienberater. In der Zeit könnten sie locker drei neue Verträge einfahren. Auf meine Frage, ob das auch anders geht bekam ich sinngemäß zu verstehen: Geht schon. Bist ja selbständig. Allerdings kommen dann die Verträge zurück und werden nicht „produktionsreif gestellt“. Also gibt es keine Alternative zum Backoffice? Ich muss das in Anspruch nehmen? Ja! Muss! – Nach meinem empfinden ist das nahe an der Nötigung. Wenn nicht sogar schon voll drin. Alle Medienberater haben die Zugänge zu den VFKD-Servern und könnten alle Eingaben selbst erledigen, sofern sie sich damit befassen und den Umgang erlernen. Werden diese jedoch von VFKD zurückgewiesen und nur über das Backoffice akzeptiert, wäre das eine echt üble Erpressung -. Es gibt offenbar mehrere Anbieter eines Backoffice-Dienstes. Eines ist sogar öffentlich erkennbar. Siehe: https://www.k-a-r-t.de. Andere sind erst über eine Whois-Recherche zu ermitteln.

Zurück zum Verlauf des ersten Tages. Also diesem Freitag. Die Zeit verstrich unter dem Monolog des TLs. Zur praktischen Anwendung erster (erfolgreicher) Angänge und Objektklärungen kam es nicht mehr. Unter einem beeindruckenden Gähnen erwähnte der TL seine harte vergangene Woche. Fragen? Nein? Ist ja auch viel Input! Dann solle mir mir wieder das soeben erlernte zu Hause verinnerlichen und wir treffen uns am Montag zur selben Zeit am selben Ort. Dann legen wir los.

Der nächste Tag

Wie ausgemacht erfolgte das nächste Treffen am Montag im selben Café. Nach Milchkaffee und Croissant wurde aus der Straßenliste der Startpunkt der Angänge ins Mercedes-Navi übertragen. Kurz darauf begann die Routine, die beim Schnuppertag bereits demonstriert werden sollte. Jetzt möchte ich nicht mit Einzelheiten langweilen. Die Prozedur hatte ich bereits im Blog beschrieben. Natürlich lief das nicht alles so easy und erfolgreich wie es gerne dargestellt wird. Im SMO-Vertriebskanal trifft man eben überwiegend auf Objekte, deren Bewohner berufstätig sind und zu den üblichen Uhrzeiten nicht zu Hause verweilen. Da müssen schon viele Klingelknöpfe betätigt werden um überhaupt mal ins Gespräch zu kommen. Das frisst Zeit. Manche Bewohner sind von dem überraschenden Besuch auch nicht übermäßig begeistert und reagieren entsprechend. Das war aber zu erwarten. Gleich der erste Angang an diesem Tag war im Sinne der Einarbeitung für den TL eigentlich schon eine Katastrophe. An einem kleinen Restgehöft präsentierte sich der ÜP gut sichbar an der äußeren Hauswand. Die Kingelmassage blieb ohne Reaktion, so das der TL beschloss das kleine Kästchen als Demonstrationsobjekt heranzunehmen. Dem Frischling musste nun eine „vertragsgemäße Herstellung“ dieses Übergabepunktes vorgeführt werden. Schraubenzieher raus, Gehäuse geöffnet, Schalter auf „off“, Gehäuse wieder drauf und die Pseudoplombe aus dem Baumarkt angeklöppelt. Wir waren schon wieder am Auto, als sich ein Radfahrer annäherte und ein: „Äy.., wer sind sie denn?“ seiner Ankunft vorausschickte. Der TL entgenete die VFKD-Grußformel und wollte gerade seine Hand zum Gruße ausstrecken, als der Radler sein Klapprad zum stehen brachte und weniger freundlich ein „Watt ham’se hier zu suchen und wat machen’se hier?“ auf seinem Mundgeruch transportierte. Dann gab ein Wort das andere. Ich machte mir erstmal eine Kippe an und verfolgte das permanente Aneinandervorbeireden der beiden ziemlich amüsiert. Als es nach einer guten halben Stunde echt langweilig wurde, erlaubte ich mir in das Gespräch einzugreifen und dem Radler beizupflichten. Einfach so’n Kästchen zu verplomben ginge ja auch nicht. Natürlich hätte man das drei Wochen vorab schriftlich ankündigen und in der Tagespresse veröffentlichen müssen. Es hatte zu regnen begonnen und mir war kalt. Ich wollte ins Auto und die Sitzheizung anwerfen.

Gegen Mittag waren somit auch erst wenige brauchbare OBBKs (Objektklärungsbögen) ausgefüllt. Keiner davon versprach eine Chance. Trotzdem wurde erstmal „Mittag gemacht“. Sehr ausgiebig und ausgedehnt wurde mit „Kollegen“ aus dem Nachbargebiet geklönt. Erst gegen 14h00 machten wir uns wieder auf.

Mein Respekt vor allen Postzustellern wuchs ständig. Bei dem nasskalten Klima durch die Gegend zu latschen und Klingelknöpfe zu massieren ist durchaus sportlich. Meine Arthrose-Hände drohten seit Stunden einfach abzufallen. Handschuhe kamen ja wegen der Klingelei und Kritzelei auf den Zetteln nicht in Frage. Ich war daher gar nicht enttäuscht, als mein TL gegen 16h30 auch keinen Bock mehr hatte. Die magere Ausbeute an OBBKs sorgte nun nicht unbedingt für das Gefühl, einen erfolgreichen Tag abgespult zu haben. Vielleicht ist ja das Gebiet nicht so dolle. Mein TL werde mal veranlassen, dass ich ein Besseres erhalte. Hat er auch gemacht. Am nächsten Tag trafen in wir uns in einer etwas größeren Stadt in Niedersachsen. In Einer, in der ich mich sogar ein bisschen auskannte.

Blöderweise hatte ich am Abend zuvor die Nachricht erhalten, dass mir im kommenden Monat eine ziemliche Summe Geld fehlen wird da mein ehemaliger Arbeitgeber nach meinem Abgang dort es mit der noch offenen Lohnzahlung nicht mehr so genau nahm. Das drückte nicht nur extrem die Stimmung, sondern schürte auch handfeste Existenzängste. Ich hatte es nach einem kürzlichen, teuren Wohnungsumzug noch nicht geschafft die finanziellen Rücklagen wieder so aufzufüllen, dass sie diesen Ausfall hätten auffangen können. Da komme ich aber später noch einmal drauf zurück. Im Gunde ist das mein eigender Bullshit und hat nichts mit VFKD zu tun. Es muss aber erwähnt werden, um einen späteren Kontext nicht zu verlieren.

Allenfalls fingen die Angänge in dem neuen Gebiet in einer Straße ihren Anfang, die ich persönlich als ziemlich problematisch für den SMO-Kanal sah. Sehr viel Einzelhandel und Finanzgewerbe im Erdgeschoss und eine extrem undurchsichtige Vermischung von Büro- und Wohneineiheiten in den Etagen darüber. Bis ich meinen TL von meiner Ansicht überzeugt hatte, verging leider einige Zeit und das Klemmbrett mit den OBBK-Zetteln war blank. Erst kurz vor Mittag konnten wir uns einigen, eine Gegend mit der uns zuträglichen Urbanität aufzusuchen. Und tatsächlich sammelten sich einige Zettel auf dem Klemmbrett wovon einer eine tatsächliche Chance versprach. Immerhin.

Am folgenden Tag sollte ich mich morgens zu einem Team- und Terminierungsmeeting in der Nähe von Bremen einfinden. Nach etwas Gezeter konnte ich den TL davon überzeugen, dass dieses Meeting für mich gänzlich unsinnig ist, da meine Zettel bzw. die sich daraus eigentlich zu ergebenen Chancen keine Anreise nach Bremen rechtfertigen um irgendwas zu terminieren. Und zudem hatte ich ja plötzlich noch ein privatfinanzielles Problem zu lösen. Und damit habe ich mich an eben diesen Tag gekümmert (Anwalt usw.). Neue OBBKs hätte es ja ohnehin nicht gegeben. Entweder Meeting oder Arbeiten. Beides geht ja nicht. Also ist es nicht so, dass ich durch meinen Privatkram einen Tag verloren hätte.

Alleingänge

Ich muss einen ungeheueren Eindruck auf meinen TL hinterlassen haben. Er rief mich am Tag nach dem Teammeeting morgens an und wünschte mir viel Erfolg. Sinngemäß hies es: Ich weiß ja nun, wie es geht und seine Anwesenheit ist nicht weiter erforderlich. Bei irgendwelchen Fragen oder Problemen.., einfach anrufen. Er ist jederzeit für mich erreichbar. Ich war jetzt nicht wirklich unglücklich über die neue Freiheit und machte mich auf den Weg ins „Gebiet“. Und tatsächlich.., es klappte ganz gut. Klingel drücken, höflich vorstellen, am ÜP eine „Sichtprüfung“ vornehmen und mit dem „Türöffner“ lockeren Smalltalk halten. Vielleicht lag es auch daran, dass nun nicht mehr zwei finstere Gestalten vor der Tür standen. Oder ich bin einfach ein toller Typ. Alleine klappte es jedenfalls besser. Das Klemmbrett füllte sich. Jetzt nicht unbedingt mit Chancen, aber immerhin mit Objektklärungen (OBBKs). Und so verging der Rest der Woche. Ich freute mich auf Sonntag. Am Sonntag ging es auf nach Fulda. Für zweieinhalb Tage zum „Basistraining 1“. Ausgerichtet im feinen Tagungshotel Esperanto.

Fulda – Basistraining 1

Sonntag, 10. Dezember, 09h00 – Aufbruch nach Fulda. Hatte ich so auch noch nicht, dass eine Schulung am Sonntag Nachmittag um 14h30 beginnt. Weil ich mir jedes Jahr vornehme, zeitig die Winterräder unters Auto zu schrauben und es jedes Jahr rauszögere, nahm ich den winterbereiften Capture meiner Frau für die Reise. Wie gut die Entscheidung war werden wir noch sehen. Ich fahre gerne. Um so weiter, so besser. Daher wollte ich ja in den Außendienst. Sonntags über die Autobahn ist wie ausschlafen. Tempomat rein und rollen lassen. War auch so. Bis kurz vor Kassel. Ratzfatz wurde aus dem Asphalt eine geschlossene Schneedecke. Für den Deutschen Gelegenheitsfahrer die Lizenz, nur noch bis in den dritten Gang zu schalten. Mit 40, manchmal sogar 60 ging es dann bis Fulda weiter. Eigentlich wollte ich ganz in Ruhe einchecken und noch eine Dusche vor dem Seminar nehmen. Das war jetzt durch. Mit Parkplatzsuche (das hoteleigene Parkhaus hat Flughafenpreise) und Gepäck abladen wurde die Ankunft eine Punktlandung. Im Seminarraum „Oslo“ fand ich an der Stirnseite mein Namensschild. Rechts von mir ein Schild mit irgendwas unausprechlichem Orientalischem, links was Deutsches. Auf dem Tisch vor mir ein A5-Block mit Vodafonelogo inkl. Kugelschreiber, ein paar bunte Pappkärtchen und ein dicker Filzer. Na toll. Das fing ja gut an.

Herr Referent (nennen wir ihn künftig Ref) eröffnete die Veranstaltung mit der üblichen Begrüßung und Vorstellung. Immerhin mochte er keine Vorstellungsrunden. Fand ich gut. Obwohl.., so lange hätte es nicht gedauert. Ich zähle mal eben geistig durch… 1,2,3,4,5,6,7,8,9,10,11, fertig. Es waren nur 11. Vielleicht habe ich einen übersehen, aber das macht es auch nicht mehr aus. Also nochmal.., dieses „Seminar“ war für alle neuen Medienberater, die im Dezember starteten. Bundesweit. Für den gesamten SMO-Vertrieb im Operationsgebiet VFKDs! 11 Popels! Mir ging der gigantische Werbeumfang, den Vodafone für des Rekrutieren fuhr, durch den Kopf. Und da kommen nur 11 Leute raus? Wenn das vier mal im Jahr stattfindet, sind es nur 44 pro Jahr. Was muss Vodafone machen, um die alle bei der Stange zu halten? Große Absprungraten kann sich das Unternehmen bei der geringen Anzahl nicht leisten. Und in dieser Gruppe waren einige die im Vertrieb niemals zu Hause sein werden. Das zu erkennen bedarf keines Studiums. Ein Vertriebler muss eben optisch und akustisch über ein paar Schlüsselqualifikationen verfügen, die nicht mal schnell angeschult werden können. Das war es wieder.. das kurze Aufblitzen des Scientologylogos vor dem inneren Auge.

Statt der Vorstellungsrunde schrieben wir nun alle unsere Namen auf ein Pappkärtchen und pinnten das auf ein Flipchart. Im Anschluss waren Gemeinsamkeiten (Auto, Haustier, Hobby, usw.) unter den Teilnehmern zu finden und so mit dem Filzer Linien kreuz und quer zwischen den Namenskärtchen zu malen. Das sollte wohl verdeutlichen, dass alle schon jetzt unheimlich vernetzt sind. Bis zum Abendessen verging der Nachmittag mit einer „Produktschulung“ im klassischen Frontalformat. Nichts, was hier besonders zu erwähnen wäre. Erwähnenswert kann vielleicht das üppige Buffet sein, welches uns am Abend zur Verfügung stand. Selbst alle Getränke waren inkl. bis der Ref den Abend schloss. Wann das war, kann ich nicht sagen. Nach drei Scheiben Hirschbraten und einer großen Apfelschorle war ich weg. Mit zwei Ausnahmen befand sich in der ganzen Truppe niemand, der einen interessanten Smaltalkabend erwarten lies.

Ich schlafe in Hotels immer schlecht. Da können die Hotels nichts zu, ist eben so. So war ich dann auch schon um 05h30 auf dem Weg zum Parkplatz um einen Parkschein zu lösen. Dazu hatte ich am Vortag bei Schneegestöber und Gepäckschleppen keine Lust gehabt. Ich hatte fest damit gerechnet bereits eine Knolle an der Scheibe zu haben. War aber nicht so. Hallo Fulda.. ich finde dich gut. Danke nachträglich. Als Wiedergutmachung habe ich einen Parkschein für ganze zwei Wochen per EC-Karte am Automaten gelöst. Für acht Euro kann man das machen. Acht Euro hätte das Hotelparkhaus am Tag gekostet. Noch schnell zwei große Schachteln Fluppen an der Aral gegenüber geholt (um 05h45! Ein echter Vorteil großer Städte) und zurück ins Hotel. Ein Concierge setzte mich in Kenntnis, dass Frühstück erst ab 06h30 losgehe, also erkundete ich noch etwas das Tagungs- und Wellneserlebnis, bis ich als erster Frühstücksgast das frische Rührei und den Speck neben einem Croissant auf den Teller löffelte. Noch einen Kaffee und etwas Multivitaminsaft. Mein klassisches Hotelfrühstück. Bis die Anderen eintrafen war ich schon wieder weg.

09h00. Raum „Oslo“. Der Ref machte wieder seine „Produktschulung“, wobei das Produkt der Vertrag ist. Nicht das hier noch jemand auf die Idee kommt, es seien etwa technische Grundlagen vermittelt worden. Nur, dass DSL scheisse ist und das Vodafonekabel aus Gottes güldenem Haar gewoben wurde. Oder so ähnlich. Alle schlechten technischen Eigenschaften von DOCSIS (Koaxkabel) wurden einfach dem DSL angehängt. Quasi eine völlige Umkehr der Realität. PING — Scientologylogo — ihr wisst schon..

Es gab nun lustige Rollenspiele, Gemeinschaftsaufgaben und den ganzen Käse, der jedem bekannt ist, der schon einmal einem Produkt- und Verkauftstraining beiwohnen durfte. Ich könnte jetzt die hervorragenden Mittags- und Abendbuffets hervorheben, aber das hat nichts mit VFKD zu tun. Außer vielleicht, dass VFKD das Ganze natürlich steuerlich vom Betriebsergebnis abzieht. Einen Grund für ein schlechtes Gewissen gäbe es allenfalls gegenüber dem Steuerzahler. Aber das ist eben so.

Als Abschluss des Folgetages gab es die Aufgabe, sich selbst einen Brief zu schreiben. Dort sollten die Erwartungen an einen selbst aufgeführt sein, die bis zum Basistraining 2 natürlich erfüllt sein sollten. Der Brief wurde kuvertiert und verschlossen und soll zu eben diesem Basistraining 2 wieder dem Verfasser zurückgegeben werden. Das wird meinem Brief nun nicht mehr gelingen. Ich bin gespannt was damit passiert. Ich hoffe ja inständig, er wird geöffnet. Statt meinen Erwartungen an mich steht dort, was ich von dem ganzen Käse halte 🙂

Immerhin war die Rückfahrt am Dienstag Schnee- und Eisfrei.

Amtlicher Bullshit

Am Mittwoch und Donnerstag konnte das frisch erlernte nun wieder „auf der Straße“ zur Anwendung kommen. Ich war allerdings auch mit meinem Problem der ausgeblieben letzten Lohnzahlungen und dem damit verbundenen Engpass beschäftigt aus dem es nunmehr nur einen Ausweg gab. Einen, den immerhin Millionen anderer auch beschreiten. Dem Jobcenter. Und von dort drohte neuer Bullshit. Es war ja nicht so, dass ich ein leistungsunabhängiges Einkommen beziehen wollte und meine Tage mit dem Konsum des Vormittags-TV-Programm (womöglich über Kabel) verbringe. Es sollte meine selbständige Arbeit über einen kurzen Zeitraum gefördert werden. Das ist überhaupt nicht unüblich und spült Steuereinnahmen sowie Sozialabgaben in die komunellen sowie staatlichen Kassen. OK.., es gab einen Stapel Formulare und Anträge. Habe ich alles ausgefüllt und die geforderten Nachweise angetackert. Und da gab ein Formular, welches eine Vorausschau auf die Erlöse und Einkommen der nächsten Monate darzustellen hatte. In diesem Formular wurden auch die KFZ-Betriebs-, und Reisekosten abgefragt. Und hier fing der Bullshit an. Das Kleinstadtamt hatte überhaupt keine Vorstellung davon, was im Außendienst an Kosten für diese Positionen anfallen können und befand sie einfach als unangemessen. Ich will jetzt keine Verzettelei in Einzelheiten (mache einen neuen Thread dafür) und kürze das direkt zum Ergebnis ab. Keine Förderung! Im Gegenteil.., mein Gewerbe soll weg, sonst gibt es nix! BANG – fettes Problem an der Backe!

Trainday

Am Freitag (15.12.) gab es keine Zeit für Probleme. Und auch keine zum Arbeiten. Es stand ein „Trainday“ in den Hamburger Vodafoneräumlichkeiten an. Selber Ort und selbe Uhrzeit wie dieser „Welcome Day“. Der „Trainday“ entpuppte sich als nichts weiter als eine stark komprimierte Wiederholung des Basistrainings. Allerdings in inkompetent. Es macht schon einen Unterschied ob ein wirklich guter Referent irgendwelchen Käse vermittelt oder irgendein Käse referieren will. Gebietsmanager sollten ein Gebiet managen. Keine Schulungen abhalten.

Ganz von mir unbeabsichtig kam einen der beiden dozierenden Gebietsmanager bemerkenswert aus der Fassung. Dabei erwähnte ich nur, dass ich mich mit einer Datenbank für Android organisiere statt mit der Excel-Straßenliste. Im Grunde das selbe nur eben mobil besser lesbar. ALARM! Kurze Zeit später wollte ich für eine Rechenaufgabe statt einen Taschenrechner besser Excel verwenden. Wieder ALARM! Diesmal wurde Herr Gebietsleiter sogar richtig giftig und seine professionelle Eloquenz verflüchtete sich. Warum? Keine Ahnung! Ich hab’s unter Scientologykram weggeheftet. Dieser „Trainday“ war jedenfalls der Gipfel der Überflüssigkeit. Und wenn ich vorher noch Zweifel hatte, ob ich das alles überhaupt noch weiter mitmache oder das Experiment abbreche, schubste mich dieser Tag endgültig Richtung Abbruch.

Das Ende

Am Montag nach diesem Trainday rief Herr Gebietsmanager durch und vereinbarte ein Treffen in meinem Vertriebsgebiet für den Tag darauf. Zudem mahnte er einen Besucherausweis den ich am Freitag beim Verlassen des Gebäudes vergaß abzugeben. Ich hatte zwar keinen Schimmer warum schon wieder ein Treffen erforderlich wurde aber die Gelegenheit war gut, den ganzen Krempel von VFKD (Ledermappe, Plombendings, Schulungs- und Vertriebsunterlagen) versandkostenfrei wieder los zu werden und mir gleichzeitig die Kündigung der Vertriebspartnerschaft quittieren zu lassen. Und so lief es dann auch ab.

Das hätte nun das Ende der Story sein sollen. Ist es aber noch nicht ganz. Da gab es einen Tag später noch einen absolut bemerkenswerten Anruf des VFKD-Vertriebsleiters. Dieses Telefonat entlarvte das Vodafone Vertriebssytem und bestätigte meine Vergleiche zu Scientology. Und ich bin in der Lage, dieses Telefonat im absolut exakten Wortlaut wiederzugeben.

Transkription des Telefonats

Das Telefonat:
Einleitung:
Ich hatte die technischen Details zur Segmentierung des Kabelnetztes in einer VFKD-WhatsApp-Gruppe gepostet. Siehe auch:

https://knollensammler.com/die-medienberater/

Dieser Post ist über Umwegen bei dem Vertriebsleiter von VFKD gelandet. Darauf bekam ich folgenden Anruf, bei dem ich den Beginn mit Begrüßung und Smalltalk hier weglasse. Dafür markiere ich den Hammerbullshit in Fett.

VL:
„Da.. da kam hier so eine komische WhatsApp ..äh.. Text.. ähm.. vor die Füsse. Da würde ich sie bitten, solche .. solche. . Nachrichten zu unterlassen. Weil .. ähhm .. das ist unfair anderen gegenüber die.. die.. ist sachlich falsch.. äähm .. die ist nicht korrekt und.. äähm.. da holen sie anderen mental.. sie nehmen anderen Menschen richtig viel Einkommen. Also sie schaden uns damit nicht, sie schaden damit ihrem Kollegen oder ihrem ehemaligen Kollegen weil sie die mental .. äähm.. ja negativ beeinflussen und die.. die Inhalte die dort drinstehen sind sachlich kom.. komplett inkorrekt.“

Ich:
„Och. Inwiefern?“

Vl:
„Also.. belegbar inkorrekt. Wir haben.. wir haben bis jetzt keine Downloadbegrenzung wir haben eine Downloadbegrenzung, die ist so gigantisch hoch da könnten sie sich fünf Rechner hinstellen, die den ganzen Tag runterladen und die würden beim Down.. Downstream nicht begrenzt werden.“

Ich:
„Naja, aber die Sache mit der Segmentierung ist aber technisch nun mal so.“

VL:
„Herr (Ich), wo..wo.. bitteschön .. bei welchem Kunden kommt das zum Tragen. Es gibt keine Kunden wo es im Moment zum Tragen… das ist so, das stimmt, wir haben aber.. aber noch keine die wo.. wo das segmentiert ist wo.. wo da ein negativer Einfluss ist. Wir sind grade dabei das Netz komplett neu umzu.. wir gehen auf DoCSIS dreieins jetzt im.. im nächsten Kalenderjahr. Bis jetzt haben wir noch keine Begrenzung bei Kunden und bevor wir die haben gehen wir.. machen wir den nächsten Sprung. Wir sind im nächsten Jahr auf ein Gigabit und da haben wir keine Segmentierung drin. Wir haben.. wir stellen die ganzen TV-Kanäle entsprechend um, ähh wir gehen in.. in den.. in den breiten Frequenzbereich. Im Moment ist das – kann ich ihnen so sagen aus ganz sicherem Wissen ähh.. ist das völlig inkorrekt was da steht. Und .. und.. jetzt ganz ernsthaft und das ist mir ganz ganz wichtig.. ähm.. wer.. also ich hab das allererste mal in 10 Jahren überhaupt so einen Text hier im Umlauf und überhaupt diese Gedankenwelt hier im Umlauf.. ich hab 90 Medienberater von den .. aaachhhh.. ich müsste jetzt Lügen.. wüd.. kann ich ich ihnen genaue Zahl.. ich habs grad hier auf Excel.. weil ich grad die Abrechnung von letztem Monat freigegeben hab.., ich hab 90 Medienberater von den 78 Prozent über siebentausend Euro verdient haben im letzten Monat, bei den 20 Prozent zwischen fünf- und siebentausend verdient haben, jetzt mal von den Neulingen abgesehen, äähm.. wenn ich die da mit reinrechne dann bin ich bei .. Sekunde .. Neulinge dazuschalten .. ähh.. bin ich bei über 80 Prozent die über sechstausend Euro verdienen.“

Ich (währerd der VL immer mit „ja aber“ unterbrechen wollte):
„Ja, das hat aber ja damit nichts zu tun. Ich sprach über eine rein technische Sache. Bei dem, was ich in dieser WhatsAppGruppe geschrieben habe geht es darum, dass es nun mal so ist, dass physikalische Eigenschaften in diesem.. ähh.. KOAX-Kabel halt vorherrschen. Und wenn man dann aber gleichzeitig sagt, dass genau diese Einschränkungen nicht für DoCSIS zutreffen würden, sondern fürs DSL zutreffen dann ist das ja sachlich nicht richtig.“

VL:
„Wer sagt das? Wer sagt das? Wer sagt das?“

Ich:
„Das hören wir z.B. auch auf dem Basistraining. Das es eine Argumentation ist im Angang und.. ähhm.. auch in der Beratung letztendlich, dass das ja unser strenger Vorteil sei, dass es im DoCSIS eben nicht dazu kommen könne, dass irgendwo ein Flaschenhals auftaucht.“

VL:
„Dann nehmen sie doch mal meinen Anschluss. Ich wohne in Verden, Ortsrand 384 Kilobit downstream DSL“

Ich:
„Ja..“ (und wurde sofort unterbrochen)

VL:
„Ich hab seit.. ich hab seit letztem Jahr ein Kabelanschluss zusätzlich 200 mbit Downstream, könnte vierhunderter Leitung haben. Funktioniert. Ich lass bei mir ständig.. ständig.. Protokolle fahren um genau diese Argumentation zu haben. Ich komm.. ich war noch nicht eineinziges mal unter hunderachtzigtausend.“

Ich (wo wir schon bei Beispielen sind):
„Ich habe einen Bekannten in Berlin, der genau dieses DoCSIS 3punktNull Flaschenhalsproblem, das er also..“

VL unterbricht sofort lautstark:
„Der hat kein Flaschenhalsproblem. Herr (ich), das ist komplett Quatsch und ich.. ich.. nehme ihnen das jetzt auch ganz schnell wieder aus dem Mund. Sind sie sicher? Haben sie das Hausnetz überprüft? Welche Kabel liegen da? Sind sie sicher das da das Flaschenhalsprinzip am ÜP ist, oder ist es das Problem weil die NE4 vom Betreiber.. vom Hausnetzbetreiber nicht…“

Anmerkung: Der benannte Bekannte wohnt in einem komplett saniertem Plattenbau in dem bei der Sanierung ein, mittlereile ca. 5 Jahre altes, Sternnetz gebaut wurde. In Ballungscentren (oder Gebieten, wo es viele Kabelnutzer gibt) ist das Problem der Segmentierung bekannt.

Also unterbrach ich diesmal:
„Nein, es hat mit dem NE4-Netz nichts zu tun. Es hängt wirklich an der C-Line, an der Segmentierung der C-Line.“

VL:
„und woher weiß er das?“

Ich:
„Das weiß er durch die Kommunikation mit Vodafone Kabel Deutschland.“

VL unterbricht:
„Da.. da.. haben wir ein Problem wo.. wo im Netz was ist. Wissen sie, wenn ich ne Karte aufmache vom.. vom DSL, also ich mag überhaupt keine Vergleiche zur Telekom, darum hat mich ihre Mail sehr verwundert, oder auch verwundert die Aussage, wir haben eine garantierte Zu.. (gebrüll) wir garantieren gaaaarnichts. Wir habens ihnen auch nie gesagt, dass wir es garantieren. Ich weiß nicht, welche Informationen sie da haben. Ähhm.. wenn ich ne Karte aufmache wo dieses funktioniert und wo jemand ein Problem hat, wo technische Netze laufen da hat ne Vodafone Kabel Deutschland mal n Problem und da hat auch ne Telekom ein Problem. Da hat Einsundeins mächtig Probleme weil sie am Telekomkomnetz hängt. Wenn man das vergleicht, da habe ich eine große Karte von Deutschland..“

Anmerkung:
Da der Bullshitanteil des Telefonates nun überproportional wurde, unterbrach ich den VL um zum Kern zurückzukommen:

Ich:
Jaaa, Herr VL (VL faselte was von großer Karte in Deutschland), Herr VL, Herr VL, damit mögen sie ja recht haben. Aber die physikalischen Eigenschaften sind doch nun mal so, wie sie da stehen, oder nicht?“

VL (laut):
„Nein! Nochmal.. sachlich falsch. Und ich möchte sie bitten, wenn sie nicht Leute auf dem Gewissen haben wollen. Wenn das jemand liest, der.. der.. technisch nicht fit ist und der auch mental nich.. nicht.. ähh.. ähhm.. sicher ist, dann holen sie den in eine Welt ab und sagt, ach das funktioniert ja sowie alles nicht. Dann schmeisst der sein Handtuch und verdient kein Geld und geht ans Arbeitsamt. Und das sag ich jetzt mal ganz ehrlich.. ich war in meinem Leben noch nicht beim Arbeitsamt. 90 meiner Leute auch nicht. Die sind nämlich hier bei uns beschäftigt und sind glücklich, dass sie Geld verdienen. Bevor ich in irgendwelchen Foren und in irgendwelchen Dingen Mails rumschicke.. ganz ehrlich Herr (ich), sollte ich mir erstmal an die eigene Nase fassen.“

Anmerkung:
Auf eine sachliche Ebene war der VL nicht zu bekommen. Eigentlich hätte ich hier auflegen sollen. Aber ich konnte es nicht lassen und fragte:

Ich:
„Was soll ich jetzt darunter verstehen?“

VL:
„Machen sie sich mal Gedanken, was ihnen lieber ist. Ob sie jetzt die nächsten Monate am Arbeitsamt arbeiten oder ob sie das hier irgendwie durchgezogen hätten.“

Ich:
„Das ist doch hier überhaupt nicht die Frage. Ich muss mit dem Jobcenter kooperieren.“

VL:
Nein nein.. ich glaub.. nene.. das glaub ich nämlich nicht. Ich glaube, dass.. dass diese Nummer Arbeitsamt.. das haben sie mir grade erzählt.. ich glaube, dass da so eine Inhaltliche.. inhaltliche technische Ding mitschwingt. Das ist das was hier ankommt und das finde ich sehr schade. Und ganz ehrlich, das macht mich sehr traurig weil wir geben uns alle sehr sehr sehr sehr viel Mühe. Und zwar nicht aus fachlicher oder geschäftlicher Hinsicht sondern aus persönlicher Verantwortung Menschen gegenüber. Wenn wir Menschen ins Boot holen dann ist es mir.. das ist mein Steckenpferd.. dann sind mir gewisse geschäftliche Aspekte in erster Linie.. die stehen bei mir sekundär. Bei mir ist in erster Linie wichtig, dass Menschen erfolgreich werden und Erfolg heisst nicht chakka chakka was ich will, sondern Erfolg heisst, was jeder selber will. Nur wo ich echt allergisch reagiere ist, wenn sich Andere diesen Menschen nähern mit teilweise falschen Informationen oder teilweise falsch zu verstehenden Informationen und sie mental aus ihrem Erfolg raus holen. Und das tun sie mit solchem Mails. Und ich sag ganz ehrlich, ich.. ich bin da nicht böse.. ich nehme ihnen das auch nicht krumm.. die macht mich traurig. Weil.. wissen sie warum?.. Weil ich mir die Frage stelle, scheisse (sein Vorname), warum hast du den (mich) nicht erreicht. Warum hast du den nicht erreicht, den auch .. dementsprechend.. aus einer Welt.. aus einer vielleicht negativen Welt rauszuholen und der muss jetzt zum Arbeitsamt gehen. Das.. das.. macht mich ganz.. ganz traurig und trifft mich sehr. Muss ich ganz ehrlich sagen. Wie ihre Entscheidung ist, ist ihre Entscheidung, nur tun sie mir einen Gefallen.. und das für die Zukunft.. bei uns jetzt eh egal.. aber das für die Zukunft.. Sehen sie nicht immer nur das Negative, sondern sehen Sie mal das Positive. Und natürlich mag in solcher Mail irgendwwo ne Segmentierung drin sein, also ne Begrenzung. Man muss sich dann nur ganz genau die Daten angucken. Und nicht.. ich hab in Berlin einen Bekannten .. wissen sie wieviel Bekannte ich habe die gerne Kabelnetz haben wollen und die am DSL-Netz hängen? Wissen sie wieviel ich da hab? Da erwähne ich nicht Einen. Warum nicht? Weil es nicht repräsentativ ist. Natürlich gibt es im technischen Netz .. ähh..Themen wo irgendwo irgendwann was nicht passiert. In der Regel ist es die NE4. Und wenn es jetzt mal die ganze Straße ist.. und wir haben auch ganze Orte wo irgendwas nicht funktioniert … ich kann ihnen Orte nennen, da haben wir ein echtes Thema, da wissen wir nicht warum das im Kabelnetz so ist. Es gibt in Bremerhafen zwei Straßen, die haben im Fernsehempfang eine Störung, wenn die Straßenbahn da fährt.. ähh.. ähhmm.. die Buslinie da fährt. Weil die irgendein Transpondersignal da haben. Da gabs schon Abschirmungen in der Straße.. krigt die Technik nicht hin. Das gibt es.“

Ich (gelangweilt):
Das gibt es.“

VL:
„Eine Bitte, und das..das ist was mich so traurig macht, solche Mails.. solche Mails können dazu führen, dass sie den einen oder anderen.. nicht den Großteil der Menschen.. den einen oder anderen damit auf dem Gewissen haben dass die kein Geld verdienen würden. Und nur die eine Frage.. (pause)“

Ich:
„Ja? Ich höre zu“

VL:
„Wenn.. wenn sie damit einen einzigen treffen, der jetzt kein Geld verdient und dann vielleicht sein lebenlang zu Arbeitsamt gehen muss, das würde ich sehr schade finden. Sie werden andersrum keinen negativ beeinflussen, wenn sie sowas lassen.. um dann zu sagen, macht doch alle eure eigenen Erfahrungen. Für mich ist der Weg zum Arbeitsamt da. Ich finds schade, mich machs traurig, ich hätt sie gern mitgenommen auf die Reise. Und ich kann davon blumig sprechen, Herr (ich), Ich hab auch schon ins Klo gegriffen, ich hab auch schon von Firmen kein Geld gekrigt. Ich hab auch schon in einer.. einer Siruation gesteckt, wo ich selbständig war, für andere gearbeitet habe und die haben mich mit 250.000, 280.000 hängen lassen. Ich hab gedacht, mein Leben ist zu ende. Ich bin dann als Medienberater nach Kabel Deutschland gekommen und ich hab hier sehr sehr viel Erfolg gehabt. Und nicht Erfolg auf Kosten Anderer, sondern immer Erfolg mit Anderen gemeinsam. Und das ist mir ganz wichtig.. und darum.. darum.. macht.. trifft mich das auch persönlich, solche Mails. Mich haben heute Teamleiter angerufen.. gib mir mal die Adresse, dem Mann haue ich auf die Fresse. Ich sag, werde ich nicht tun. Ich sag, ich werde mit dem sprechen. Weil.. ich glaub der hat nicht verstanden, was er ausgelöst hat damit.“

Ich:
„Das ist hervorragend. Herr Vertriebsleiter, ich muss mich für dieses Telefonat, was wir gerade führen unheimlich bedanken. Weil.., ich war über die Situation, wie ich sie jetzt hatte, dass ich aus dem Vertrieb aussteigen musste, daswegen war ich sehr sehr betrübt. Und dieses Telefonat, was wir grade führen, hat mir wirklich sehr sehr geholfen nun nicht mehr mehr betrübt zu sein.“

VL:
„Herr (ich), wissen sie was? Lecken sie mich am Arsch.“

Klick tuuut 🙂

Mein Fazit aus diesem Telefonat:

Der Herr Vertriebleiter hat nicht die leiseste Ahnung, wie das vom ihm vertriebene Produkt funktioniert. Nach meinem Empfinden sollte er das aber haben. Kommt es nämlich tatsächlich zu einen Kundenansturm, wird das beschriebene Problem flächendeckend bemerkbar. Viele Kunden, viele Daten und eine Technik, die dafür nicht entwickelt wurde.

Die Einschätzung des VLs, dass eine Kenntnis der physikalischen Eigenschaften des Netzes einen Medienberater metal fertigmachen würde, teile ich sogar. Die daraus erfolgende Notwendigkeit, als Medienberater strunzendoof ein VFKD-Vertriebsprogramm abzuspulen, ohne alle Produktdetails kennen zu dürfen, wird – nach meiner Einschätzung – dem Job nicht gerecht. Oder zumindest der Berufsbezeichnung. Die sollte dann besser „Vodafone Vertragsvermittler“ lauten.

Der ganze Stil des Telefonates, die seltsame, angebliche Führsorge eines Konzerns für die Vertriebler, die besondere Betonung auf das „Mentale“ und das unrealistische Einkommen erinnerte mich wieder eher an eine Sekte als an ein seriöses Unternehmen.

Im Nachgang muss ich sogar meinem Jobcenter danken. Im Ernstfall hätte es nicht nur verhindert an diese horrenden (Bullshit)-Einkommensversprechen zu glauben, es hätte sogar die wirklich übelste Art der Scheinselbstädigkeit verhindert. Denn, machen wir uns nichts vor, um auch nur einen kleinen Teil der versprochenen Einkünfte zu erlangen, ist der „Medienberater“ täglich dermaßen mit Klingelknopfmassagen ausgelastet, dass er für einen zweiten oder dritten Auftraggeber absolut keine Zeit aufbringen kann.

 

——- Update 11.11.2018——

Soeben habe ich einen interessanten Anruf erhalten. Vodafone Headquarter hat augenscheinlich zur Kenntnis genommen, dass die Herren Michaelis, Stössel und Konsorten (also im Grunde der ganze SMO-Kopf) nicht im Sinne VFKDs agierten und sie per sofort entlassen. Geprüft habe ich diese Mitteilung nicht. Ich werde mir auch die Arbeit nicht mehr machen. Ich gehe einfach davon aus, dass die Info zutreffend ist.